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Jetzt sind wir dran!

Jetzt sind wir dran!

17.08.2020
Portraitfoto Athanasios Stavrakidis vor ver.di Fahne ver.di Hessen Athanasios Stavrakidis  – Saki ist Mitglied der Tarifkommission TVN und Betriebsratsvorsitzender der VGF.

Der Herbst steckt voller Tarifverhandlungen. Am 1.September geht’s los für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes beim Bund und bei den Kommunen. Davon sind neben vielen anderen auch die Beschäftigten bei den kommunalen Nahverkehrsunternehmen betroffen. Die hessischen ÖPNV-Kollegen verhandeln zusätzlich ihren Manteltarifvertrag, also Einstufungsgruppen, Pausen, Arbeitsbedingungen. Drei Fragen an Athanasios Stavrakidis, Mitglied der Tarifkommission und Betriebsratsvorsitzender bei der Verkehrsgesellschaft Frankfurt VGF.

Das Interview erscheint in einer gekürzten Version auf der Hessenseite der ver.di publik Nr.5/2020

Athanasios, ihr fordert, beim Lohn drei Stufen zu springen, also drei Entgeltgruppen besser zu bezahlen. Beispiel wer jetzt Entgeltgruppe 4.2. ist, sollte nach 7.2. bezahlt werden. Was steckt da für eine Überlegung dahinter? Was hat die Tarifkommission dabei im Sinn?

  • Athanasios: Diese Erhöhung ist differenziert zu betrachten. Erstens ist die Bezahlung für Fachpersonal wie beispielsweise Ingenieure nicht gut genug. Erfahrene Mitarbeiter bewerben sich erst gar nicht bei Ausschreibungen. Bewerbungen gehen meist von Berufsanfängern ein, die gerade fertig mit dem Studium sind. Die Folge ist, sie sammeln bei uns Erfahrung und verlassen dann das Unternehmen, weil sie woanders mehr verdienen. Zweitens verhält sich das im technischen Bereich nicht anders. Junge, fertig ausgebildete Fachkräfte bilden sich nach einiger Zeit weiter, entweder machen sie ihren Techniker oder Meister. Das Gehalt eines Mechatronikers ist nicht gerade angemessen – erst recht nicht, wenn man in Frankfurt wohnt. Nehmen wir drittens den Fahrdienst. Er wird zurzeit nach der Entgeltgruppe 4 vergütet. Diese Entgeltgruppe spiegelt die verantwortungsvolle Tätigkeit nicht wider. Entgeltgruppe. 4.1 als Einstiegsgehalt sind 2.295,25 Euro plus 8 Prozent bei der VGF. Frankfurt ist eine der teuersten Städte in Deutschland mit sehr hohen Mieten. Wie sollen unsere Kolleginnen und Kollegen bei so einem Gehalt über die Runden kommen? Entgeltgruppe 7.1 als Einstiegsgehalt, also 2.837,64 Euro sind ein Muss für diese Tätigkeit.

Das Thema Pausen hat uns schon bei den privaten Busfahrern beschäftigt. Ihr müsst auch mehr Zwangspausen machen als ihr bezahlt bekommt. Wie ist es derzeit und wo soll es hin?

  • Athanasios: Jede Pause, die einen Dienst ausdehnt, ist schmerzhaft. Im TVN-Hessen ist die Pausenregelung nicht so schlimm wie im Busbereich. Natürlich wollen wir aber alle Wendezeiten und unnötigen Pausen bezahlt bekommen. Geteilte Dienste (z.B. morgens vier Stunden, dann ein paar Stunden Leerzeit und dann wieder vier Stunden) sollen auf ein Minimum reduziert werden und die Ausdehnung soll nicht länger als 12 Stunden betragen.

Ihr fordert Schicht- und Wechselschichtzulage auch im Fahrdienst. Heißt das, Fahrer bekommen derzeit keine Schichtzulagen?

  • Athanasios: Ja, das stimmt und das ist ein besonderer Nachteil. Schienenbahnfahrer fahren zu unterschiedlichen Zeiten innerhalb des Tages. Schichtzulage ist hier ein Muss. Wir dürfen diese Diskriminierung nicht länger akzeptieren.Wir haben durch diese Tarifkampagne die Chance, ein dickes Plus für unsere Mitglieder zu erreichen. ABER DAS KÖNNEN WIR NUR MIT GEMEINSAMER KRAFT!