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Altenhilfe Wetter/Mittelhessen: Erstmals Streik in kirchlicher …

Altenhilfe Wetter/Mittelhessen: Erstmals Streik in kirchlicher Einrichtung

08.03.2019

Die Beschäftigten der St. Elisabeth Altenhilfe im mittelhessischen Wetter sind heute mit Beginn der Frühschicht in einen ganztägigen Warnstreik getreten. Aufgerufen dazu hat sie die Gewerkschaft ver.di. ver.di fordert für die Beschäftigten den gleichen Lohn, wie ihn Beschäftigte in kommunalen Altenheimen erhalten. Dort wird nach dem Tarifvertrag öffentlicher Dienst TvöD bezahlt. In Wetter gab es bislang kein Tarifgehalt, die Bezahlung wurde bis Januar individuell vereinbart.

In der Einrichtung sind in der jüngeren Vergangenheit viele Beschäftigte in die Gewerkschaft ver.di eingetreten. Derart gestärkt ging die Gewerkschaft im Herbst 2018 auf die Geschäftsführung zu und forderte, Tarifverhandlungen aufzunehmen. Die Geschäftsführung zeigte sich zunächst gesprächsbereit, ein erstes Sondierungsgespräch verlief konstruktiv und vielversprechend.
Anfang Januar 2019 wurde dann praktisch über Nacht aus der Altenhilfe eine Einrichtung der Diakonie, also ein kirchlicher Träger. „Der Schritt, sich der Diakonie anzuschließen, hat mit neu entdecktem Glauben nichts zu tun. Es handelt sich vielmehr um einen billigen Trick der Geschäftsführung, um aus wirtschaftlichen Überlegungen das Betriebsverfassungsgesetz zu umgehen und vor einem Tarifvertrag zu flüchten“, bewertet Fabian Dzewas-Rehm, der zuständige ver.di Gewerkschaftssekretär das Vorgehen. Denn der sogenannte dritte Weg sieht vor, dass kirchliche Einrichtungen ihr eigenes Arbeitsrecht haben und sich nicht an weltliche Regularien wie das Betriebsverfassungsgesetz halten müssen.

Seit 1. Januar 2019 werden die Beschäftigten nun gemäß den Arbeitsvertragsrichtlinien der Diakonie Kurhessen-Waldeck (AVR.KW) bezahlt und verdienen dadurch zum Teil mehr. Sie sind aber weiterhin deutlich unterhalb des Niveaus des TVöD. So bekommt zum Beispiel eine examinierte Altenpflegerin mit dreijähriger Ausbildung nach 16 Jahren im Unternehmen 15 Prozent weniger als eine gleich qualifizierte Kollegin in einer kommunalen Einrichtung. Darüber hinaus wurde mit dem Wechsel in die AVR.KW die wöchentliche Arbeitszeit von 38,5 auf 39 Stunden erhöht. Außerdem geben die kirchlichen Arbeitsvertragsrichtlinien dem Arbeitgeber die Möglichkeit, Löhne der Beschäftigten mit Bezug auf Notlagen kurzfristig um bis zu 15 Prozent abzusenken, ohne Mitspracherecht der Beschäftigten.

„Die Kolleginnen sind zu Recht sauer, denn sie sollen jetzt mehr arbeiten und weniger verdienen als die Kolleginnen in den umliegenden kommunalen Häusern. Dass sie durch den Wechsel in die Diakonie dann auch noch ihren Betriebsrat verlieren sollen, hat das Fass zum Überlaufen gebracht“, so Dzewas-Rehm.