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Frankfurter Societäts-Druckerei kündigt Massenentlassung an

Frankfurter Societäts-Druckerei kündigt Massenentlassung an

28.11.2018

Die Frankfurter Societäts-Druckerei (FSD) in Mörfelden hat angekündigt, mehr als 100 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer entlassen zu wollen. Begründet wird der Schritt mit dem Verlust des Druckauftrags für die Bild-Zeitung und die „Welt“ aus dem Axel-Springer-Verlag zum Jahresende. ver.di hält das Ausmaß des geplanten Abbaus von Arbeitsplätzen für völlig überzogen. „Wir gehen davon aus, dass der Verlust der Springer-Aufträge dafür genutzt werden soll, bisher tariflich bezahlte Arbeitsplätze durch schlecht bezahlte oder durch billigere Werkvertragskonstruktionen zu ersetzen,“ sagte heute Manfred Moos von ver.di Hessen. Die FSD hatte bereits im Oktober mitgeteilt, dass das Unternehmen sich von Tarifverträgen lösen will und im Arbeitgeberverband in eine sogenannte Mitgliedschaft ohne Tarifbindung gewechselt sei. Aufgrund der gesetzlichen Vorgaben gelten aber in einem solchen Fall die tariflichen Bedingungen für die Beschäftigten weiter, die bisher unter den Tarifvertrag gefallen sind. „Das ist der wahre Grund für die hohe Anzahl geplanter Kündigungen.“

Den Druckauftrag von Springer hatte die FSD 2013 von der insolventen Druckerei der Frankfurter Rundschau übernommen. Seinerzeit kam es nur zu wenigen und zudem nur befristeten Neueinstellungen bei der FSD. Das gesteigerte Druckvolumen wurde praktisch von der FSD-Belegschaft zusätzlich abgearbeitet. „Umso unverfrorener mutet es nun an, dass mit Verlust der Aufträge eine Massenentlassung begründet wird“, sagt Manfred Moos. Schon jetzt sei erkennbar, dass es alleine darum gehe, die einst stolze und traditionsreiche Societäts-Druckerei bar jeder sozialen Verantwortung zu zerschlagen.

Eigentümer der FSD sind seit gut einem halben Jahr die Verlagsgruppe Ippen und die Verlegerfamilie Rempel aus Gießen („Gießener Allgemeine“). Sie hatten die Druckerei zusammen mit den beiden Tageszeitungen Frankfurter Neue Presse und Frankfurter Rundschau von der FAZ-Gruppe übernommen. Bei der Übernahme wurde den damals noch 300 Stammbeschäftigten erklärt, für sie werde sich nichts ändern. „Die Erklärung war offenbar völlig wertlos. Das Vertrauen der Beschäftigten in die Verantwortlichen der FSD wurde durch Tarifflucht, Outsourcing und die angekündigte Massenentlassung restlos verspielt,“ erklärt ver.di.

Unterdessen steht die Belegschaft der Druckerei solidarisch zusammen und kämpft für ihre Rechte. Am gestrigen Dienstag legten die Arbeiterinnen und Arbeiter von 16:30 Uhr an die Arbeit nieder, um die Forderung nach einem Anerkennungstarifvertrag zu unterstützen. Heute wurde der Warnstreik mit Beginn der Frühschicht um 6:00 Uhr fortgesetzt.