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Darmstädter Druckerei apm stellt Insolvenzantrag - 75 von 160 …

Darmstädter Druckerei apm stellt Insolvenzantrag - 75 von 160 Stellen gefährdet

14.08.2018

In der Darmstädter Druckerei apm produktions GmbH stehen nach einem Insolvenzantrag zahlreiche Arbeitsplätze auf dem Spiel. Von den rund 160 Stellen sind akut 75 bedroht. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft und der Betriebsrat befürchten weitere negative Folgen für den Standort, wenn die geplante Reduzierung der Produktion trotz voller Auftragsbücher umgesetzt wird.

Die gewerkschaftlichen Vertrauensleute und der Betriebsrat der apm haben aus Sorge um den Standort und die Beschäftigten am 13. August 2018 eine gemeinsame Erklärung verabschiedet, in der die gerichtlich bestellte vorläufige Sachwalterin des Insolvenzverfahrens und der Gläubigerausschuss aufgefordert werden, alle Optionen zu prüfen, die einen Erhalt der kompletten Produktion in Darmstadt und den Verzicht auf Kündigungen ermöglichen.

Nachfolgend die Erklärung. Sie steht außerdem im Downloadbereich zur Verfügung.

  • Gemeinsame Erklärung der ver.di-Vertrauensleute und des Betriebsrats bei der Druckerei apm in Darmstadt zum Insolvenzantrag für die apm produktions GmbH
  • ver.di-Vertrauensleute und Betriebsrat bei der Druckerei apm in Darmstadt fordern sichere Zukunft für alle 160 Beschäftigten

  • Nach dem Insolvenzantrag der apm produktions GmbH wegen drohender Zahlungsunfähigkeit fürchten die 160 Beschäftigten in Darmstadt um ihre Arbeitsplätze. Nach Ankündigungen der Geschäftsführung, die derzeit den Betrieb im Rahmen eines sogenannten Schutzschirmverfahrens in Eigenverwaltung unter Aufsicht einer vom Amtsgericht bestellten Sachwalterin führt, soll der Betrieb drastisch verkleinert werden. 75 Arbeitsplätze stehen auf der Streichliste, statt in bisher drei Schichten soll nur noch zweischichtig gearbeitet werden. Aus Darmstadt bedient werden sollen nur noch wenige Kunden, darunter vor allem die Gewerkschaften ver.di, IG Metall und IG Bau. Die Aufträge anderer Kunden sollen offenbar nicht mehr grundsätzlich in Darmstadt gedruckt werden, sondern an andere Druckereien weitergereicht werden.

  • Die jetzige Muttergesellschaft alpha print medien AG (apm) hatte 2016 entschieden, die Beschäftigten in die apm produktions GmbH überzuleiten. Alle Maschinen und Anlagen verblieben bei der AG. Schon damals stand die Befürchtung im Raum, dass die Beschäftigten im Falle einer Insolvenz die Zeche zahlen müssten. Gleichwohl bestand berechtigte Hoffnung, dass die apm nach jahrelangen Verlusten spätestens 2019 schwarze Zahlen schreiben wird. Aufgrund das Auslaufens von Leasingzahlungen ist mit jährlichen Kostenentlastungen in einer Größenordnung von 600.000 Euro zu rechnen. Zusammen mit einem moderaten Personalabbau durch normale Fluktuation ist sogar ein deutlich positives Ergebnis in Reichweite.
  • Umso überraschter waren Beschäftigte, Betriebsrat und Gewerkschaft, als Ende Juli nach einem Wechsel in der Geschäftsführung und im Vorstand der AG ein Insolvenzantrag gestellt wurde. Übereinstimmend stellen die ver.di-Vertrauensleute und der Betriebsrat fest, dass damit keineswegs die Chancen für einen Erhalt der Druckerei gestiegen sind, selbst nicht in der geplanten Verkleinerung. Die hervorragenden Geschäftsbeziehungen zu den gewerkschaftlichen und nicht-gewerkschaftlichen Kunden und das umfassende Leistungsangebot der Druckerei werden durch die Verkleinerung des Betriebs und die Auslagerung von Aufträgen hochgradig gefährdet. Die gewerkschaftlichen Vertrauensleute und der Betriebsrat halten den Kurs für falsch, der maßgeblich vom Vorstand der Muttergesellschaft apm AG gesteuert wird. Das Vertrauen in die Verantwortlichen der apm ist deshalb erschüttert.

  • Vertrauensleute und Betriebsrat fordern deshalb den Vorstand der apm AG, die Sachwalterin und den Gläubigerausschuss auf, alle Optionen zu prüfen, die einen Erhalt der kompletten Produktion in Darmstadt und den Verzicht auf Kündigungen ermöglichen. Dazu ist es notwendig, dass der Maschinenpark erhalten bleibt, der auf die speziellen Bedürfnisse der apm-Kunden zugeschnitten ist. Der geplante Verkauf von Maschinen muss deshalb gestoppt werden. Weiterhin muss sichergestellt werden, dass keine Aufträge von apm-Kunden an Fremddruckereien vergeben werden. Und schließlich ist zu prüfen, ob auch externe Investoren zu einem Einstieg bei der apm bereit sind, wenn sie den Standort und die Beschäftigung garantieren.

  • Die Beschäftigten der apm haben über viele Jahre durch Sanierungstarifverträge einen erheblichen Beitrag zum Erhalt des Betriebes geleistet. So wurde lange Zeit auf Jahresleistung und Urlaubsgeld verzichtet. Diese Opfer wurden mit Blick auf die möglich erscheinende nachhaltige Sanierung der apm erbracht.

  • Vertrauensleute und Betriebsrat wissen, dass insbesondere die gewerkschaftlichen Kunden faire Preise zahlen, um die von ihnen zu Recht verlangte Tarifbindung der apm an den Flächentarif der Druckindustrie zu gewährleisten. Wir wissen, dass ver.di, IG Metall, IG BAU und andere Gewerkschaften solidarisch an der Seite der Beschäftigten stehen. Wir brauchen jetzt weiter Rückendeckung der Gewerkschaften für unsere Forderungen nach Erhalt der Arbeitsplätze und der Produktion am Standort Darmstadt. Kampflos wird die apm-Belegschaft ihre Arbeitsplätze nicht aufgeben.