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Klinikbeschäftigte streiken für Entlastung

Klinikbeschäftigte streiken für Entlastung

19.09.2017

Heute streiken bundesweit tausende Klinikbeschäftigte für Entlastung. Nachfolgend die Pressemeldungen für Frankfurt-Höchst und Gießen und Marburg, sowie die bundesweite Meldung.

  • Städtisches Klinikum Frankfurt Höchst: Beschäftigte im streiken für Entlastung

ver.di ruft die Beschäftigten des Klinikums Frankfurt Höchst morgen, Dienstag, den 19. September 2017 zu einem Warnstreik auf. Es geht um einen Tarifvertrag Entlastung. „Leider haben die Arbeitgeber bisher unsere Aufforderung abgelehnt, Tarifverhandlungen über die Entlastung des Klinikpersonals im Klinikum Frankfurt Höchst aufzunehmen“, sagt Georg Schulze-Ziehaus, Fachbereichsleiter Gesundheit bei ver.di Hessen. „Deshalb erhöhen wir jetzt mit einem ersten Warnstreik den Druck. Wir mei-nen es ernst: Die Arbeitsbedingungen müssen sich verbessern – und zwar schnell und spürbar.“

Konkret fordert ver.di beispielsweise die Festlegung einer Mindestpersonalausstattung im Tarifvertrag sowie Regelungen zum Belastungsausgleich, falls tarifvertragliche Vorgaben über die Personalmindestbesetzung nicht eingehalten werden sollten. Zudem fordert ver.di, die Ausbildungsqualität zu verbessern, beispielsweise durch die Freistellung von Ausbilder/innen für die Zeit der praktischen Anleitung von Auszubildenden. „Es muss künftig ausgeschlossen werden, dass Auszubildende für die Kompensation von Personalengpässen herangezogen werden“ sagt Hilke Sauthof-Schäfer, Krankenhausexpertin bei ver.di Frankfurt.

„Die Beschäftigten der Kliniken sind am Limit, die Arbeitsüberlastung ist unerträglich. Darauf haben wir in den vergangenen Jahren immer wieder mit Aktionen und Appellen Aufmerksam gemacht“, so Schulze-Ziehaus weiter. „Geredet wurde viel, jetzt müssen die Klinikleitungen endlich aktiv werden und mit ver.di über einen Tarifvertag Entlastung verhandeln.“ In verschiedenen Regionen der Bundesrepublik finden zeitgleich Streiks in Krankenhäusern statt. In Hessen sind am Dienstag auch die Beschäftigten des Universitätsklinikums Gießen-Marburg zum Warnstreik für Entlastung aufgerufen.

Getrennt von dieser Tarifbewegung setzt sich ver.di auf politischer Ebene für verbindliche Personalvorgaben per Gesetz ein. Nach Berechnungen der Gewerkschaft müsste es für eine gute und sichere Versorgung 162.000 Stellen in Krankenhäusern mehr geben, davon 70.000 Pflegefachkräfte.

Der Streik beginnt mit der Frühschicht. Ab 10 Uhr startet vor dem Klinikum Frankfurt Höchst eine Demonstration durch den Stadtteil.

 

Illustration Berufsgruppen im Krankenhaus/in der Pflege mit Banner "Mehr von uns ist besser für alle" Tom Körner Zusammenstehn - Mehr von uns ist besser für alle
  • UKGM: ver.di ruft zum Streik für mehr Personal am 19. September auf

Gesundheitsschutz durch mehr Personal und Entlastung, das ist die Forderung der Gewerkschaft ver.di für die Beschäftigten am Universitätsklinikum Gießen und Marburg. Um diesem Ziel näher zu kommen, ruft ver.di am 19. September 2017 zu einem eintägigen Warnstreik auf.

Seit mehreren Monaten finden zwischen den Tarifvertragsparteien Sondierungsgespräche zum Thema statt. Leider konnte dort weder eine Einigung zum Thema noch die verbindliche Aufnahme von Tarifverhandlungen erreicht werden. „Es muss Schluss mit Unterbesetzung und Überlastung sein. Die Versorgungsqualität leidet, die Beschäftigten leiden unter der Arbeitssituation“, erklärt Fabian Rehm, zuständiger Gewerkschaftssekretär für das UKGM. „Zukünftig brauchen wir mehr Personal für eine gute Versorgung. Hierzu gehören auch Konsequenzen für den Fall von Unterbesetzung.“ Laut Rehm muss im Falle des Unterschreitens von vereinbarten Personalmindeststandards eine Schließung von Betten und Stationen erfolgen. Die jüngsten Presseberichte über die Arbeitshetze am UKGM unterstreichen die Notwendigkeit der Forderung nach mehr Personal.

 „Vorerst rufen wir zu einem eintägigen Streik auf“, erklärt Fabian Rehm. „Wir sind aber bereit, die Auseinandersetzung weiterzuführen.“

Ablauf in Gießen: Treffpunkt ab 6.00 Uhr vor dem Haupteingang, 8.00 Uhr Demo zum Hbf und Fahrt zur gemeinsamen Demo in Marburg.

Ablauf in Marburg: Treffpunkt ab 5.30 Uhr vor dem Haupteingang auf den Lahnbergen, 9.30 Uhr Start Demonstration am Hauptbahnhof Marburg durch die Marburger Innenstadt, 10.30 Uhr Kundgebung vor der Stadthalle und dem Streiklokal.

Grafik zu Belastung im Krankenhaus: Fallzahlen steigen, Anzahl der Beschäftigten nicht. ver.di Belastung im Krankenhaus steigt

Hier die Pressemeldung der Bundespressestelle

ver.di - Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Bundesvorstand
Klinikbeschäftigte streiken für Entlastung

Berlin, 19.09.2017 

Nachdem die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) im Juli bundesweit Kliniken zu Verhandlungen über einen Tarifvertrag Entlastung aufgefordert hatte, finden heute (Dienstag, 19. September 2017) die ersten Streiks statt. "Leider zeigten einige Arbeitgeber keine Bereitschaft, Entlastung für die Beschäftigten zu schaffen, so dass sich ein Streik nicht verhindern ließ", so Sylvia Bühler, ver.di-Bundesvorstand. Aufgerufen zum Streik wurden Beschäftigte in Kliniken in Bayern, Hessen, NRW, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Berlin. An anderen Kliniken sind die Arbeitgeber gesprächsbereit.

Anlass für die Tarifauseinandersetzung ist die schlechte Personalausstattung in den Krankenhäusern, die zur permanenten Überlastung der Beschäftigten führt. "Zu wenig Personal heißt zu wenig Zeit. Die ständige Zeitnot macht die Beschäftigten krank. Eine gute Versorgung der Patienten ist unter diesen Umständen oft nicht möglich. Das betrifft alle Krankenhäuser, egal ob öffentlich oder privat. Deshalb führen wir die Auseinandersetzung bundesweit und haben Kliniken verschiedenster Träger zu Verhandlungen aufgefordert", betonte Bühler. Dass ausgerechnet in Krankenhäusern immer wieder gegen den Gesundheitsschutz verstoßen werde, der gesetzlichen Verpflichtung der Arbeitgeber zum Trotz, sei nicht länger hinnehmbar.

"Da hilft den Arbeitgebern auch kein Verweis auf die unternehmerische Freiheit. Die endet dort, wo der Gesundheitsschutz der Beschäftigten beginnt", so Bühler.

Konkret fordert ver.di unter anderem die Festlegung einer Mindestpersonalausstattung im Tarifvertrag sowie Regelungen zum Belastungsausgleich, falls die tarifvertraglichen Vorgaben nicht eingehalten werden. Zudem muss sich die Ausbildungsqualität verbessern, beispielsweise durch die Freistellung von Ausbilder/innen für die Zeit der praktischen Anleitung von Auszubildenden. Es muss ausgeschlossen werden, dass Auszubildende für die Kompensation von Personalengpässen herangezogen werden.

Bereits seit dem 18. September befinden sich die Beschäftigten der Berliner Charité in einem Streik. An der Charité wurde 2016 der bundesweit erste Tarifvertrag abgeschlossen, der die Personalausstattung regelt. Die mangelnde Bereitschaft des Arbeitgebers zur Umsetzung dieses Tarifvertrags macht nun die erneuten Verhandlungen nötig.

Getrennt von dieser Tarifbewegung setzt sich ver.di auf politischer Ebene für verbindliche Personalvorgaben per Gesetz ein. Nach Berechnungen der Gewerkschaft müsste es für eine gute und sichere Versorgung 162.000 Stellen in Krankenhäusern mehr geben, davon 70.000 Pflegefachkräfte.

Weitere Informationen: www.klinikpersonal-entlasten.de