Pressemitteilungen

hessischer Einzelhandel: 3.Tarifverhandlung

hessischer Einzelhandel: 3.Tarifverhandlung

29.06.2017

 „Es macht wenig Spaß, kostet Zeit, bringt aber nichts, sich in Hessen immer wieder die schon seit Wochen ‚abgestandenen‘ Angebote aus anderen Bundesländern vortragen zu lassen. Interessant war bei der heutigen Tarifverhandlung lediglich die unterschiedliche Interpretation beider Seiten, was unter einer ‚sozialen Komponente‘ bei einem möglichen Tarifabschluss zu verstehen ist“, erklärt Bernhard Schiederig, Landesfachbereichsleiter Handel der ver.di Hessen und Verhandlungsführer seiner Gewerkschaft: „Für uns kann diese nur wirksam erreicht und tatsächlich in den Geldbeuteln der Beschäftigten ankommen, wenn die unteren Lohngruppen im Vergleich zu den höheren Einkommensstufen überproportional angehoben werden. Gerade deshalb fordern wir einen Euro mehr pro Stunde für alle Beschäftigtengruppen. Demgegenüber sieht die Arbeitgeberseite eine solche ‚soziale Komponente‘ schon erreicht, wenn sie zusätzlich 150 Euro in die tarifliche Altersvorsorge einzahlt – im Gegenzug aber eine Lohnerhöhung von 1,5 Prozent bei einer Inflationsrate von gut 2,0 Prozent für völlig ausreichend hält. Angesichts dessen mussten wir feststellen: Heute gab’s nix Neues – aber davon viel! Deshalb werden die Streiks auch in Hessen wie in anderen Tarifgebieten fortgesetzt.“

Die Tarifverhandlungen wurden von etwa 500 Streikenden aus den Unternehmen Esprit, H&M Hennes & Mauritz, Ikea, Karstadt, Galeria Kaufhof, Kaufland, LS Travel Frankfurt-Airport, Primark, Real, Toys R Us und Zara besucht. Lautstark demonstrierten sie vor dem Verhandlungslokal gegen die Blockadehaltung der Arbeitgeber und für ihre Forderungen:

  • Erhöhung der Gehälter und Löhne um einen Euro je Stunde, damit die derzeit im Einzelhandel noch am schlechtesten Bezahlten verhältnismäßig mehr Geld erhalten als die mit höheren Einkommen.
  • Anhebung der Vergütung der Auszubildenden auf 1.000 Euro im 1. Ausbildungsjahr, 1.100 Euro im 2. Ausbildungsjahr und 1.200 Euro im 3. Ausbildungsjahr, um den jungen Leute die Möglichkeit zu geben, etwas unabhängiger vom Elternhaus leben zu können.
  • Die Tarifverträge sollen für allgemeinverbindlich erklärt werden, so dass der Verdrängungswettbewerb nicht weiter auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen wird und zu dauerhaft sinkenden Einkommen führt.

 Die Tarifverhandlungen werden am Montag, dem 17. Juli 2017, fortgesetzt.