Pressemitteilungen

Betriebsrätekonferenz Handel

Betriebsrätekonferenz Handel

06.04.2017
Gruppenfoto Karin Zennig/ver.di Hessen Betriebsrätekonferenz Handel

 Betriebsrätekonferenz gegen Tarifflucht im Handel
„Asymmetrie der Verhältnisse beenden“

 „Die Machtfrage in der Wirtschaft stellen die Unternehmen des Handels vor allem auf den Beschaffungsmärkten“, erläuterte Professor Heinz Bontrup, Wirtschaftswissenschaftler an der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen Bocholt Recklinghausen und Experte der „Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik“ den 150 Anwesenden der Betriebsrätekonferenz der Gewerkschaft ver.di für den Einzel- und Versandhandel, den Groß- und Außenhandel, den genossenschaftlichen Großhandel und die Verlage in Hessen am 5. April 2017 im Frankfurter Gewerkschaftshaus. Wie diese „Machtfrage“ in Bangladesh, Sri Lanka und Äthiopien im Gewinninteresse der Unternehmen gelöst wird, konnten sich die anwesenden Betriebsräte von H&M Hennes & Mauritz, Esprit, NewYorker, Primark und anderer Textilhändler bildlich vorstellen.

Doch Heinz Bontrup wies ebenso darauf hin, wie diese „Machtfrage“ auf dem hiesigen Arbeitsmarkt wirkt: Billiglöhne, Tarifflucht, soziale Unsicherheit, niedriges Einkommens- und Rentenniveau, Konkurrenzkampf um Überstunden. „Deshalb fordert unsere Arbeitsgruppe einen gesetzlichen Mindestlohn von 12 Euro, den Abbau von Überstunden und eine deutliche Arbeitszeitverkürzung“, so der Wirtschaftswissenschaftler: „Aber auch die Gehälter müssen spürbar steigen und dabei jährlich die Produktivitätssteigerung und die Inflationsrate auf jeden Fall ausgleichen.“ Demgegenüber beanspruchten die Unternehmen beides für sich. „Dem kann nur wirksam entgegengetreten werden, wenn die Asymmetrie der Verhältnisse beendet wird“, so Heinz Bontrup. Denn nur durch die Beseitigung „des Ungleichgewichts der Macht von Beschäftigten und ihren Gewerkschaften auf der einen sowie der Unternehmen und ihrer Verbündeten auf der anderen Seite können  grundlegende Veränderungen bei der Lohngestaltung durchgesetzt werden“.

Zum Auftakt der Konferenz versicherte Jürgen Bothner, Landesbezirksleiter Hessen der ver.di, den Betriebsräten seine Unterstützung in der anlaufenden Tarifrunde. Er rief sie auf, sich in den Betrieben gerade jetzt stärker gegen Ausgrenzung, Hass und Fremdenfeindlichkeit zu engagieren. Gegen Mittag demonstrierten die Betriebsräte vom Gewerkschaftshaus zum Vorplatz des Hauptbahnhofs, um in einem weit aufgespannten Netz symbolisch die tarifflüchtigen Handelsunternehmen „einzufangen“. Dazu gehören viele, die sich gerne selbst „Rang und Namen“ zuschreiben sowie für ein gutes Image werben: Amazon, KiK, OBI, Tedi, privatisierte Edeka- und Rewe-Märkte, Norma, Dehner, Globus, C&A, Hugendubel, LS Travel, Rewe-Center Darmstadt, Transgourmet, Toom Baumarkt usw. (siehe Fotos)

bunte Luftballons in einem grünen Netz Karin Zennig/ver.di Hessen Luftballonaktion