Sommertouren Jürgen Bothner

Station 5: Bei REWE

Station 5: Bei REWE

Lebensmittelhandwerk hautnah erleben bei REWE

In Egelsbach probiert REWE etwas ganz Neues aus: Zurück zum direkten sinnlichen Erlebnis. Zusehen beim Brotbacken und gleich ein Stück nehmen, frisch geräucherten Lachs probieren, dampfende Pizzastückchen, dazu an einem gerade gepressten Orangensaft nippen und die hier hergestellte Wurst kosten. In dem ehemaligen toom-Markt am Ende der A 661 setzt REWE auf 8.000 Quadratmetern voll auf Qualität und modernes Einkaufserleben im Supermarkt. Vertriebsleiter Peter Agel erläutert: „Wir haben uns überlegt, was wir dem Kunden noch anbieten können angesichts von Amazon und anderer Konkurrenz in Internet und auf Wochenmärkten. Und wir beschlossen, wir machen es zum Anfassen. Wir reproduzieren das ganze Dorf: Bäcker, Konditor, Fleischer, Fischhändler, Blumen und Pflanzen. Wir zeigen die Produktion.“ Genau das erwartet den Kunden, wenn er durch die Eingangstür kommt.

 

Torte zur Einschulung, bunt Ute Fritzel bei REWE: Konditoreihandwerk  – hier können Torten bestellt werden, zum Beispiel für die Einschulung.

Das Konzept ist auch nach innen neu: Marktleiter bekommen dadurch viel mehr Gestaltungsmöglichkeiten für ihren Bereich. REWE hat hier Verantwortung stärker auf die Fläche verteilt. Auch die Mitarbeiter konnten sich weiter entwickeln. Sie wurden geschult, um auch hochwertige und hochpreisige Lebensmittel wie beispielsweise hunderte von Weinsorten erklären zu können. Außerdem gab es Motivationstrainings und Schulungen zum Kundenumgang. Wie die Betriebsräte berichten, kamen diese Schulungen gut an bei den Kolleginnen und Kollegen. ver.di Landesbezirksleiter Jürgen Bothner zeigt sich vom neuen Supermarkt-Konzept beeindruckt: „Das ist eine sehr mutige Entscheidung, Lebensmittel anders zu verkaufen und sich auf Ursprüngliches zurückzubesinnen, dabei aber trotzdem hochmodern zu sein. Zugleich haben Sie die MitarbeiterInnen auf dem Weg mitgenommen. “

Insgesamt 240 Mitarbeiter sind in diesem REWE-Center beschäftigt. Zum Vergleich: Im Penny-Markt einige Hundert Meter weiter, einem Discountmarkt und auch unter dem Dach des REWE-Konzerns, sind es ganze acht Beschäftigte. Eins-zu-Eins Besetzung sagen die Fachleute dazu, wenn außer der Kassiererin lediglich noch der Marktleiter anwesend ist. So fährt der Konzern seine Marketingstrategie und deckt die verschiedenen Bereiche ab, zum Teil in der Nachbarschaft. Hier die Waren auf Paletten, der Marktleiter packt kräftig selbst mit aus und dort die Beschäftigten in Hemd und rotem Schlips, die fundierte Warenkenntnis zum Lebensmittel anbieten. 240 oder acht Beschäftigte. Für alle gilt aber derselbe Tarifvertrag. Jürgen Bothner: „Hier zeigt sich, was für Gestaltungsmöglichkeiten ein Tarifvertrag bietet. Nicht zuletzt bringt er den Kolleginnen und Kollegen größere Arbeitszufriedenheit.“

 

 

Bothner zieht Waren über den Scanner. ute Fritzel bei REWE: Aushelfen an der Kasse 6  – oh jee, soviel Katzenfutter. Wie ging das noch, 15 mal dasselbe eingeben?

Die REWE-Region Mitte beschäftigt rund 25.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und ist damit eigenen Angaben zufolge nach dem Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport der zweitgrößte Arbeitgeber in Hessen.
Die Interessen der in rund 550 Filialen beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer werden durch einen gemeinsamen, abweichend vom Gesetz durch Tarifvertrag geregelten Betriebsrat vertreten. Dieser Betriebsrat besteht aus 41 Mitgliedern, von denen 15 für die Betriebsratsarbeit von ihrer beruflichen Tätigkeit freigestellt sind. Die besuchte Filiale mit circa 240 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern hat durch die abweichende Betriebsratsstruktur daher keinen eigenen Betriebsrat, obwohl ohne die Sonderregelung durch Tarifvertrag ein Betriebsrat mit neun Personen gewählt werden könnte und sogar eine eigene Freistellung hätte.

Jürgen Bothner tauschte das Privatsakko an diesem Vormittag mit dem Rewe-Hemd, band sich einen Schlips um und setzte sich an die Kasse. Nach anderthalb Stunden hatte er einen ganz beachtlichen Umsatz gemacht, war aber sehr froh, wieder ins Privat-Sakko schlüpfen zu können. „Das Kassieren erfordert ständige Konzentration und ist genau wie erwartet körperlich anstrengend.“