Sommertouren Jürgen Bothner

Station 3: Im Frankfurter Zoo

Station 3: Im Frankfurter Zoo

Bothner unter Tigergemälde im Büro von Zoodirektor Niekisch mit der Personalverantwortlichen und der Personalratsvorsitzenden. Ute Fritzel Im Gespräch mit Zoodirektor Niekisch  – Zoodirektor Manfred Niekisch schilderte Jürgen Bothner die Personalsituation des Frankfurter Zoos.

Zoodirektor Professor Dr. Manfred Niekisch nahm sich eine ganze Stunde Zeit für den Gewerkschafter. Anschließend führte die Personalratsvorsitzende und Raubtierpflegerin Sonja Hildebrand durch das Gelände und gewährte einige interessante Blicke hinter die Kulissen.

Bothner auf Ledersofa im Zoodirektorbüro unter Ölgemälde eines Tigers. Ute Fritzel Bothner unterm Tiger  – Ob dieses Bild auch schon schon bei Professor Grzimek an diesem Platz hing?

Der Frankfurter Zoo hat jährlich so viele Besucher wie das Städel und der Palmengarten zusammen. Trotzdem decken die Einnahmen aus dem Eintritt lediglich 30 Prozent der Kosten. Der Rest kommt von der Stadt, wo der Zoo dem Kulturdezernat zugeordnet ist. Das passt, findet Zoodirektor Manfred Niekisch, denn der Zoo hat einen Bildungsauftrag. Das ist auch der Grund, warum die Preise für den Eintritt deutschlandweit im unteren Drittel liegen. „Zoos sind für die Besucher da. Und die nehmen das sehr gut an. Heutzutage fragen die Zoobesucher viel mehr nach, sie wollen wissen, wie geht es diesem oder jenem Tier, warum verhält es sich so wie es sich verhält. Unsere Tierpfleger führen viel mehr Gespräche als früher. Auch die kommentierten Fütterungen werden sehr stark nachgefragt von den Besuchern.“

Der Beruf des Tierpflegers sei im Wandel. Nachwuchsprobleme gebe es keine, obwohl die Tätigkeit körperlich anstrengend ist. Allerdings hätten viele Jugendliche falsche Vorstellungen von dem Beruf, weshalb vor der Ausbildung zunächst ein Praktikum Pflicht ist. Außerdem, so Niekisch, entwickle sich der Tierpflegerberuf zunehmend zu einem Frauenberuf. Während noch vor wenigen Jahrzehnten fast ausschließlich Männer Tierpfleger waren, bewürben sich heute nur sehr wenige junge Männer. Erklären kann sich der Professor das nicht schlüssig. Ein paar Anhaltspunkte nennt er aber: so seien junge Frauen vielleicht zielstrebiger und wüssten eher was sie wollen, sie hätten oft eine emotionalere Beziehung zu Tieren.

Schälchen mit Obst und anderem Fressen für die Tiere im Grzimekhaus. Vorn im Bild Jürgen Bothner. Ute Fritzel Kurz vor Mittag: Fütterungsvorbereitung  – Gleich gibt es Fressen im Grzimekhaus.

Die Führung des Zoos interessiert sich für die körperlichen Anstrengungen ihrer Tierpfleger. So wurde kürzlich in einer Ergonomiestudie die Arbeit genauestens in den Blick genommen. Ergebnis: die höchste körperliche Belastung herrscht in der Futterküche durch den ständigen Wechsel von heiß und kalt und das viele Kisten heben. Es gab Stellen, wo mit einfachen Mitteln Verbesserungen erreicht werden konnten: mit Gurten, Griffen oder indem man Stolperkanten beseitigte. Für andere Verbesserungen sind bauliche Maßnahmen nötig. Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung: die Tierpfleger sitzen jetzt bei der Planung von Neubauten mit am Tisch.

Ein Arbeitsplatz im Frankfurter Zoo sei sehr zukunftssicher. Die Beschäftigten arbeiteten lange hier, es gebe nicht viel Personalwechsel. So wird dieser Tage ein 40-jähriges Betriebsjubiläum gefeiert. Die hohe Verweildauer führt Zoodirektor Niekisch unter anderem auf die Tarifbindung zurück. In Zoos ohne Tarifvertrag sei der Personalwechsel sehr viel stärker. Von ver.di erhofft sich Manfred Niekisch Unterstützung darin, mehr Personal zu bekommen. „Damit eine noch qualifiziertere Betreuung unserer Tiere möglich wird. Eigentlich müssten Pfleger auch einfach mal so dasitzen können und ihr Tier beobachten, um etwas über sein Befinden heraus zu bekommen. Davon sind wir aber personell noch sehr weit entfernt.“