Sommertouren Jürgen Bothner

Station 1: DRV Rehazentrum Am Sprudelhof in Bad Nauheim

Station 1: DRV Rehazentrum Am Sprudelhof in Bad Nauheim


Ein zentraler Begriff in der Gewerkschaftsarbeit bei ver.di heißt „gute Arbeit“. Darunter verstehen ver.di und die anderen DGB-Gewerkschaften Arbeit, die an den Menschen orientiert ist, für die sie auskömmlich bezahlt werden, die ihnen Sicherheit und Perspektive bietet und die es erlaubt, gesund zu bleiben trotz Arbeitens. Wer als Erkrankter von der Deutschen Rentenversicherung DRV nach Bad Nauheim geschickt wird, der hat all das Beschriebene möglicherweise nicht oder nicht ausreichend erlebt.

Sommertour Station 1 in der DRV-Klinik am Sprudelhof in Bad Nauheim. Jürgen Bothner im Gespräch mit Klinikleiter Chefarzt Dr. Bock. Ute Fritzel Chefarzt Dr. Bock und Jürgen Bothner im Gespräch  – Sommertour 1. Station: in der DRV-Klinik am Sprudelhof in Bad Nauheim.

In Bad Nauheim sollen er oder sie wieder fit werden fürs Erwerbsleben. „Reha statt Rente“ ist ein Leitspruch der DRV. Die Klinik in Bad Nauheim ist auf die drei Themenkreise spezialisiert: Psychosomatik, Kardiologie und Orthopädie – auf Grund der Erkrankungen aus diesen Fachgebieten werden die meisten Menschen erwerbsunfähig. Das Durchschnittsalter hier ist 49 Jahre. „Früher“, erzählt Chefarzt Dr. Björn-Kristof Bock „waren orthopädische Erkrankungen die häufigsten Gründe für eine Frührente. Heute sind es die Depressionen. Die Arbeitssysteme sind instabil, es gibt zunehmend weniger unbefristete Verträge und immer weniger Sicherheit. Trotzdem wird erhebliche Flexibilität verlangt. Das kann einen Menschen an die Grenzen der Belastbarkeit bringen und ihn krank werden lassen. Besonders schwierig für die depressiven Menschen ist es, dass man ihre Krankheit nicht sieht.“

Dr. Bock sitzt im Bildzentrum am runden hellbraunen Besuchertisch seines Büros und erklärt den Verlauf einer Rehamaßnahme: auch Rentenberatung findet statt. Ute Fritzel Chefarzt des Rehazentrums am Sprudelhof, Dr. Björn-Kristof Bock  – Dr. Bock erklärt den Verlauf einer Rehamaßnahme: auch Rentenberatung findet statt.

Reha in Bad Nauheim, das heißt, nicht nur Physio- /Sporttherapie und Psychotherapie, sondern auch Aufklärung und Beratung, erläutert Dr. Bock. Welches Leiden hat der Patient und wie könnte seine berufliche Zukunft aussehen? Kommt ein anderer Job in Betracht, was muss er dafür lernen? Ist stundenweise Erwerbstätigkeit möglich? Oder ist der Patient doch dauerhaft erwerbsunfähig und keine berufliche Perspektive mehr herzustellen? Für jeden wird hier ein entsprechendes Gutachten erstellt. Falls eine Erwerbsunfähigkeit vorliegt,  gilt es über die rechtlichen und finanziellen Aspekte der möglichen Erwerbsunfähigkeitsrente zu beraten. Aus dieser Beratung kommen die Patienten oft mit großen Augen, erzählt Dr.Bock. Denn die meisten Patienten wissen nicht, wie wenig Geld unterm Strich für sie übrig bleibt. Aufgabe der Klinik ist es, gemeinsam mit den betroffenen Patienten nach Wegen zu suchen, die es diesen Menschen ermöglicht, in der Erwerbstätigkeit zu bleiben.

Jürgen Bothner am rechten Bildrand im Profil, Hände gestikulieren. Ute Fritzel Bothner erkundigt sich nach Rehaverlauf  – Die Gründe für Frühverrentung haben sich verändert: immer mehr Depressionen.

Ein Beispiel: Der 55-jährige Maurer, der 35 Jahre lang hart körperlich gearbeitet hat, kann seine Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben. Eine berufliche Neuorientierung ist eigentlich erforderlich, aber kaum möglich.  Also findet der Ex-Maurer keine leichtere Arbeit. Die Kriterien für eine Erwerbsunfähigkeitsrente liegen aber nicht vor, wenn er auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt eine andere Tätigkeit ausüben könnte. Die existenziellen Sorgen triggern die depressiven Symptome, das Gefühl in dieser Gesellschaft nicht mehr gebraucht zu werden steigt erheblich an.


Jürgen Bothner spiegelt das Gesagte aus gewerkschaftlicher Sicht. Es müsse schon viel früher auf die Qualität der Arbeit geachtet werden, damit Menschen arbeitend älter werden können. Das sei verhandelbar, zum Beispiel in Tarifverträgen. Es müsse unter anderem im Voraus überlegt werden, wie sich Menschen beruflich verändern können, die nach jahrzehntelanger körperlicher Arbeit einen Wechsel brauchen. Wer jetzt sogar von Rente mit 69 spreche, der rede von einer weiteren Rentenkürzung. Geld sei jedoch genug da, so Bothner, es sei eine Frage der Umverteilung. Die Gewerkschaften stehen hinter der umlagenfinanzierten Rente. Dies müsse auf der politischen Ebene verhandelt werden. Deshalb stellt ver.di das Thema Rente und insbesondere das Rentenniveau demnächst neu, beginnend mit einer Kampagne im Herbst dieses Jahres.

 

http://www.deutsche-rentenversicherung.de
https://www.rehabilitationszentrum-am-sprudelhof.de/
 

Die Deutsche Rentenversicherung Hessen mit Hauptsitz in Frankfurt am Main betreut insgesamt rund zwei Millionen Versicherte und zahlt über 740.600 Renten aus. Sie ist der Ansprechpartner für alle Fragen rund um die Altersvorsorge und Rehabilitation.

Selbstbeschreibung der deutschen Rentenversicherung
Eine große Kaffeetasse/ein Kaffeebecher mit einem Foto der PersonalratskandidatInnen und der Bildunterschrift " Deine Stimme - Personalratswahlen" Ute Fritzel Personalratstasse  – Eigens für die Wahlen im Frühjahr dieses Jahres angefertigt.

 „So kann es auch gehen“ – DRV lebt Werte vor

Im Gespräch mit dem Personalrat gab es viel Lob. Die Beschäftigten schildern die Deutsche Rentenversicherung als soziale Arbeitgeberin, für die arbeitsethische  Werte keine bloßen Parolen sind. Das steigert natürlich die Arbeitsplatzzufriedenheit und somit auch die Lebensqualität. Angefangen beim Personalschlüssel, einer Art Richtwert für die Berufsgruppen, die direkt mit dem Patienten arbeiten, wieviel Personal pro 100 Betten vorhanden sein muss. Dieser Schlüssel werde bei der DRV eingehalten und sei eine gute Arbeitsgrundlage, so die Kolleginnen und Kollegen.

links die Personalratsvorsitzende der Klink, Ruth Auffarrth-Künkel udn rechts der Landesbezirksleiter Jürgen Bothner Ute Fritzel Bothner und die Personalratsvorsitzende Ruth Auffarth-Künkel  – Vor der Führung durch die Einrichtung.

Auch auf die Belange der übrigen Berufsgruppen wird geachtet. Die Klinik betreibt Reinigung und Küche mit eigenen Beschäftigten. Outsourcing ist kein Thema. Aber auch im Einzelfall werden die Belange der  Arbeitskräfte berücksichtigt. So konnte beispielsweise ein Masseur, der durch einen Unfall arbeitsunfähig wurde, innerhalb der Klinik auf einen Büroarbeitsplatz wechseln und so weiter voll erwerbstätig bleiben. Oder das hauseigene Schwimmbad und die medizinische Trainingstherapie sind zu bestimmten Zeiten exklusiv den MitarbeiterInnen vorbehalten.

Gesprächsrunde um einen Tisch Ute Fritzel Bothner im Gespräch mit Personalrat  – Gedankenaustausch


Dass dies nicht selbstverständlich ist, wissen die Kolleginnen und Kollegen. Deshalb ist die Personalfluktuation auch nicht hoch in der Rehaklinik. Viele arbeiten bereits seit Jahrzehnten hier. „So kann es auch gehen“, kommentiert Jürgen Bothner anerkennend.