Sommertouren Jürgen Bothner

Station 4: Universitätskrankenhaus Gießen Marburg

Station 4: Universitätskrankenhaus Gießen Marburg

Bothner steht in der Tür zu einem Behandlungszimmer mit Liege im Hintergrund plus Monitor. Ute Fritzel In der Notaufnahme  – Im Notfall werden die PatientInnen hier versorgt.

In der Notaufnahme sollten Notfälle sitzen – der Name deutet es an. In vielen deutschen Kliniken ist das aber ganz und gar nicht so. Die Notaufnahme im UKGM in Marburg macht da keine Ausnahme. Wenn die Arztpraxen schließen, dann wird es in der zentralen Notaufnahme voll. „Wir ersetzen die große Landarztpraxis“, sagt ein Beschäftigter, der ungenannt bleiben möchte. „Die Leute haben seit vier Wochen Rückenschmerzen oder seit sechs Wochen Knieweh. Die Nase läuft ihnen seit zwei Tagen. Sie sind also keine Notfälle im echten Sinne. Aber sie kommen lieber hierher als drei Monate auf einen Facharzttermin zu warten. Wir können sie nicht wegschicken, aber müssen ihnen dann sagen, dass Notfälle immer vorgehen und sie lange warten müssen.“

 

Das bedeutet für die Beschäftigten natürlich Stress. Verstärkend auf den Patientenzustrom wirkt, dass es rund um Marburg herum im großen Umkreis keine bereitschaftsärztlichen Notdienste mehr gibt und auch nur weit entfernte Kliniken, auf die sich die Patienten verteilen könnten. Ärzte und Pflegepersonal gehen hier also oft bis weit über ihre Grenzen. „Der Betriebsrat hat eine Mitarbeiterbefragung gemacht. Dabei ist herausgekommen, dass die zentrale Notaufnahme ein extrem belasteter Bereich ist. Überstunden, keine Zeit für Pausen, Holen aus dem Frei, das alles ist wirkt sich sehr negativ auf die Kolleginnen und Kollegen aus. Arbeit darf nicht krank machen“, sagt der zuständige Gewerkschaftssekretär Stefan Röhrhoff. „Deshalb wollen wir einen Gesundheitstarifvertrag verhandeln. Darin sollen Mindestpersonalstandards für die jeweiligen Bereiche festgeschrieben sein, das heißt, die Klinik braucht vor allem mehr Personal.

ver.di Landesbezirksleiter Jürgen Bothner verweist hier auf die Erfahrungen, die in den USA mit Personalbemessung gemacht wurden. In Kalifornien ist seit 2004 ein Gesetz in Kraft, das verbindlich Quoten von Pflegekräften zu Patienten regelt. Dieses Gesetz wurde gegen starken Widerstand der Krankenhausbetreiber durchgesetzt und gilt in Fachkreisen als sehr erfolgreich. Bothner: „Ich will kalifornische Verhältnisse.“

Rechts oben ein Flugblatt mit mehr Informationen zur Situation am UKGM